Leseprobe – Prolog

Die Körper der beiden Pferde waren abgemagert, und ihr schwindendes Langfell hing in stumpfen Fetzen an der Haut, unter der sich die Knochen deutlich abzeichneten. Doch die Schritte der vorausgehenden Stute waren trotz ihrer sichtbaren Schwäche sicher und ruhig. Langsam und gleichmäßig, von der Weisheit vieler Wanderungen geführt, bewegte sie sich über die Ebene. Es gab keinen Grund, innezuhalten und die Umgebung zu prüfen oder nach Nahrung zu suchen. Das Land war vollkommen leer, nur ihre eigenen Tritte und die ihres Begleiters waren zu hören.

Seit etwa zwei Sonnenläufen waren sie in der Ebene unterwegs, immer in Richtung der Hochsonne, wo sich fern am Horizont unter einem wolkenlosen tiefblauen Himmel eine endlose Bergkette abzeichnete, von der sich ein einzelnes gewaltiges Massiv deutlich abhob. Jener Große Berg war dem Gebirge vorgelagert. Unten im flachen Land gab es nichts. Nichts außer einzelnen Steinen, keiner größer als ein Huf. Der Boden sprach davon, vor vielen, vielen Wanderungen einmal fruchtbares Weideland gewesen zu sein. Jedoch wuchs jetzt nichts mehr hier, und es gab nicht einmal Überreste von Gestrüpp oder gar Bäumen. Auch Wasser hatten sie bisher nicht gefunden oder auch nur gewittert. Es war eine vollkommene Leere, ohne ein Geräusch, ohne Wind, und scheinbar ohne Ende, bis auf den Großen Berg und seine kleineren Verwandten in der Hochsonne. Sie konnten nicht einmal feststellen, ob es heiß oder kalt war. Ihr Empfinden war von dem Nichts um sie herum betäubt.